Wenn Kinder zu „Packeseln“ für Schulsachen werden – …drohen krumme Rücken und verformte Füße / Ärzte und Bundestagskommission warnen
Jeden Abend stellt sich für Jungen und Mädchen bzw. deren Eltern die gleiche Frage: Wie packe ich den Schulranzen für den nächsten Tag, so dass er nicht zu schwer wird? Denn jeder weiß, dass die Tornister fast immer zu viel wiegen und dadurch der Gesundheit des Kindes schaden. Dennoch wird dies im Alltag gerne ignoriert. Dabei gilt: Je jünger und kleiner das Kind, umso wichtiger ist es, darauf zu achten, dass es nicht täglich zu viel Ballast mit in die Schule schleppt!
Oft transportieren die Jungen und Mädchen zusätzlich noch Beutel, Taschen, Tüten oder Trinkflaschen mit in die Schule. Nehmen Sie das mal alles zusammen und wiegen es! Das ist fast immer zu viel für noch im Wachstum begriffene Körper! „Das Schulgepäck sollte nicht mehr als zehn Prozent des Körpergewichts des Kindes betragen. Denn Kinder mit zu schweren Schulranzen müssen mit Verkrümmungen der Wirbelsäule und Verformungen der Füße rechnen“, sagt Dr. Dietmar Krause, Ergonomieexperte beim Deutschen Grünen Kreuz e. V. Und auch die Kinderkommission des Deutschen Bundestags warnt aktuell vor den Folgeschäden allzu schwerer Ranzen. Sie appelliert deshalb an die Bundesländer, das Maximalgewicht von Schulbüchern verbindlich festzulegen. Auch die Schulbuchverlage könnten zur Entlastung der Kinder beitragen, indem sie statt Hardcover leichteres Papier verwenden, meint die Kommission. Schulen und Lehrer sollten ferner dafür sorgen, dass die Kinder möglichst viele Materialien in der Schule deponieren könnten.
Doch trotz der jährlich wiederkehrenden Appelle, Informationen und Ratschläge – die sich allerdings oft auf Grundschüler beschränken – wird das Thema in den Familien oft missachtet. Wie ernst das Problem werden kann, belegen aktuelle Zahlen zur Gesundheit von Jugendlichen und Kindern. Laut der Bundestags-Kinderkommission klagen heutzutage bereits 54 Prozent der Schulkinder über Rückenschmerzen, die auf das Tragen des Schulranzens zurückzuführen sind. Und Kinderärzte diagnostizieren einer repräsentativen Umfrage des Marktforschungsinstituts TNS Healthcare zufolge bei rund 60 Prozent aller 10- bis 16-Jährigen Rückenschmerzen, wobei neben dem Tragen von zu großen Lasten vor allem die mangelnde Bewegung und zu wenig Sportunterricht an den Schulen dafür verantwortlich gemacht wird. Des Weiteren ergab diese Umfrage, dass Kinderärzte im vorigen Jahr bei 73 Prozent der jugendlichen Patienten zwischen 10 und 16 Jahren erworbene Haltungsschäden feststellten.
Übrigens: Schwere Ranzen können für Kinder, die den Schulweg mit dem Rad zurücklegen, zusätzlich kritisch werden. Schnell kann es zu Stürzen mit dem Rad kommen, weil die schweren Schulranzen auf dem Rücken oder auf dem Gepäckträger die Kinder aus dem Gleichgewicht bringen. Und beim Gedränge an der Bushaltestelle oder im Bus ist ein schwergewichtiger Ranzen auch nicht gerade förderlich.
Ausführliche Tipps zum ergonomischen Ranzen, aber auch zur richtigen Gestaltung von Arbeitsplätzen für Kinder enthält der Ratgeber „Was für den Rücken gut ist“ aus dem Verlag im Kilian (
www.kilian.de/):Dr. Dietmar Krause, Helga Freyer-Krause Was für den Rücken gut ist Der Ratgeber für jeden Tag ISBN: 978-3-932091-92-6 Sonderpreis: 3,75 Euro