Hyperaktiv durch Lebensmittelzusätze? – Bisher keine Beweise, aber neue Daten weisen auf einen Zusammenhang hin
Fünf bis zehn Prozent der Kinder gelten als hyperaktiv, in den meisten Fällen wird das Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivität-Syndrom (ADHS) dahinter vermutet. Die Ursachen von ADHS sind noch immer umstritten: Genetische Aspekte, aber auch Umwelteinflüsse und Ernährungsgewohnheiten werden diskutiert. Lebensmittelszusätze wie Phosphate, Konservierungs- und Farbstoffe stehen ebenfalls auf der Liste der verdächtigen Auslöser von ADHS.
Aktuelle Daten beleben diese Diskussion um Lebensmittelzusatzstoffe neu: Eine Studie der Universität Southampton hat den möglichen Zusammenhang zwischen Farb- und Konservierungsstoffen und Hyperaktivität unter die Lupe genommen. Die Forscher beobachteten 297 Kinder aus zwei verschiedenen Altersgruppen über sechs Wochen hinweg. Sie untersuchten, ob die Kinder nach Aufnahme von Lebensmittelzusätzen Verhaltensänderungen zeigen. Die Effekte waren jedoch gering: Das Verhalten änderte sich nur geringfügig, die Verhaltensänderungen traten nicht bei allen Kindern und nicht in allen Altersgruppen auf. Ein kausaler Beweis für einen Zusammenhang zwischen Zusatzstoffen und Hyperaktivität konnte nicht geführt werden.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat die Studie ausführlich analysiert und kommt zu dem Schluss, dass sie zwar durchaus Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Farb- und Konservierungsstoffen zur Hyperaktivität liefert. Die Schlussfolgerung, dass Zusatzstoffe zu erhöhter Aktivität führen, sei aber nicht gerechtfertigt.
Alexandra Renkawitz, Ernährungswissenschaftlerin beim Deutschen Grünen Kreuz e. V., rät Eltern, auf naturbelassene Lebensmittel ohne Zusätze zu setzen. „Wer sein Kind keinem unnötigen Risiko durch Lebensmittelzusätze aussetzen will, muss nur die Zutatenliste auf den Lebensmittelverpackungen lesen und kann dann entscheiden, ob er ganz oder teilweise auf diese Stoffe verzichtet.“
Quellen: Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Hyperaktivität und Zusatzstoffe – gibt es einen Zusammenhang? Stellungnahme Nr. 040/2007,
www.bfr.bund.de/
McCann, D., u. a. (2007) Food additives and hyperactive behaviour in 3 and 8/9 year old children in the community. The Lancet, 6 September 2007,
www.thelancet.com/
Quelle: dgk